pH- und EC-Wert: Dünger richtig dosieren
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Die meisten Nährstoffprobleme im Indoor-Anbau sind keine Nährstoffprobleme. Sie entstehen, weil der pH-Wert nicht stimmt und die Pflanze deshalb nicht aufnehmen kann, was reichlich vorhanden ist. Wer pH und EC versteht, löst damit einen Großteil aller Blattverfärbungen, bevor sie auftreten.
pH: das Tor zur Nährstoffaufnahme
Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Für Pflanzen ist er deshalb entscheidend, weil jeder Nährstoff nur in einem bestimmten pH-Fenster pflanzenverfügbar ist. Liegt der Wert daneben, bleibt der Nährstoff chemisch gebunden im Substrat — die Pflanze steht mitten im Vorrat und hungert trotzdem.
Das nennt man Nährstoff-Lockout. Es ist die häufigste Fehldiagnose überhaupt: Der Grower sieht gelbe Blätter, deutet es als Mangel, düngt nach — und verschlimmert die Lage, weil der Salzgehalt steigt und der pH-Wert weiter abdriftet.
Die Zielbereiche
Substrat | pH-Zielbereich |
Erde | 6,0 – 6,8 |
Kokos | 5,5 – 6,2 |
Hydrokultur | 5,5 – 6,0 |
Ein leichtes Pendeln innerhalb des Bereichs ist sogar erwünscht: Unterschiedliche Nährstoffe sind bei leicht unterschiedlichen Werten am besten verfügbar. Wer permanent exakt 6,0 hält, kann auf Dauer einzelne Elemente unterversorgen. Lassen Sie den Wert also ruhig zwischen 6,0 und 6,5 wandern, wenn Sie in Erde arbeiten.
Richtig messen
Dünger vollständig im Wasser auflösen und umrühren
Danach messen — Dünger verändert den pH-Wert deutlich
Mit pH-Down (meist Phosphorsäure) oder pH-Up (Kalilauge) korrigieren
Umrühren, eine Minute warten, erneut messen
Korrigieren Sie in kleinen Schritten. pH-Down ist hochkonzentriert; wenige Tropfen auf zehn Liter verschieben den Wert oft schon um eine halbe Einheit.
Kalibrieren Sie Ihr Messgerät mindestens einmal im Monat mit Eichlösung. Ein unkalibriertes pH-Meter ist schlimmer als gar keines, weil Sie falschen Werten vertrauen und aktiv in die falsche Richtung korrigieren. Die Elektrode muss außerdem immer feucht gelagert werden — trocknet sie aus, ist sie unbrauchbar.
EC: wie viel Dünger tatsächlich drin ist
Der EC-Wert (elektrische Leitfähigkeit) misst die Konzentration gelöster Salze in der Nährlösung, angegeben in mS/cm. Er sagt Ihnen, wie viel Dünger im Wasser ist — nicht, welche Nährstoffe.
Das ist der Grund, warum Dosieranleitungen auf Flaschen nur Näherungswerte sind. Sie kennen Ihr Ausgangswasser nicht. Leitungswasser hat je nach Region bereits einen EC von 0,2 bis 0,8 mS/cm. Wer in einer Region mit hartem Wasser die volle Herstellerdosis ansetzt, überdüngt systematisch.
Richtwerte nach Phase
Phase | EC gesamt (inkl. Leitungswasser) |
Stecklinge / Sämlinge | 0,4 – 0,8 mS/cm |
Frühes Wachstum | 0,8 – 1,2 mS/cm |
Spätes Wachstum | 1,2 – 1,6 mS/cm |
Frühe Blüte | 1,6 – 1,9 mS/cm |
Hauptblüte | 1,8 – 2,2 mS/cm |
Letzte 1–2 Wochen | 0,0 – 0,4 mS/cm (Spülen) |
Wichtig: Messen Sie zuerst Ihr reines Leitungswasser. Beträgt der Ausgangs-EC 0,4 mS/cm und wollen Sie in der Blüte auf 1,8 kommen, darf der Dünger nur 1,4 mS/cm beisteuern.
Die Regel für den Einstieg
Beginnen Sie mit 50 bis 70 Prozent der Herstellerdosis. Beobachten Sie die Pflanze eine Woche. Zeigt sie kräftiges, sattes Wachstum ohne Verfärbungen, können Sie langsam erhöhen.
Diese Vorsicht hat einen einfachen Grund: Unterdüngung erkennen Sie früh und korrigieren sie in Tagen. Überdüngung erkennen Sie spät und korrigieren sie in Wochen. Die Asymmetrie spricht klar für den zurückhaltenden Ansatz.
NPK und was dahintersteckt
Auf jeder Düngerflasche stehen drei Zahlen — der NPK-Wert:
N — Stickstoff: treibt Blatt- und Triebwachstum. Hoher Bedarf in der Wachstumsphase, deutlich geringerer in der Blüte.
P — Phosphor: zuständig für Wurzelbildung, Energiestoffwechsel und Blütenansatz. Bedarf steigt zur Blüte.
K — Kalium: reguliert Wasserhaushalt, Zellstabilität und Widerstandsfähigkeit. Über den gesamten Zyklus wichtig, in der Blüte am höchsten.
Deshalb haben Wachstumsdünger typischerweise ein Verhältnis wie 5-2-3 und Blütedünger eher 2-4-6.
Die vergessenen Nährstoffe
Neben NPK braucht die Pflanze Calcium, Magnesium und Schwefel in nennenswerten Mengen sowie Spurenelemente wie Eisen, Mangan, Zink und Bor.
Ein Calcium-Magnesium-Zusatz (Cal-Mag) ist in zwei Situationen fast immer nötig:
Bei Kokossubstrat, weil die Fasern Calcium und Magnesium binden
Bei sehr weichem Wasser oder Umkehrosmose-Wasser, dem diese Elemente von Natur aus fehlen
Typisches Symptom eines Magnesiummangels: Die Blattadern bleiben grün, die Fläche dazwischen vergilbt — von unten nach oben fortschreitend.
Organisch oder mineralisch?
Organische Dünger werden von Bodenmikroorganismen aufgeschlossen. Sie wirken langsamer, sind dafür kaum überdosierbar und bauen ein stabiles Bodenleben auf. Sie gehören zu Erde. In Kokos oder Hydro funktionieren sie schlecht, weil dort das Mikroleben fehlt.
Mineralische Dünger liegen in direkt verfügbarer Form vor. Sie wirken innerhalb von Stunden, erlauben präzise Steuerung — und verzeihen Fehler nicht. Für Kokos und Hydro sind sie der Standard.
Wichtig: Bleiben Sie innerhalb einer Produktlinie. Düngerhersteller stimmen ihre Komponenten aufeinander ab. Mischt man Basisdünger von Marke A mit Blütebooster von Marke B, entstehen leicht Überschüsse einzelner Elemente, die wiederum die Aufnahme anderer blockieren (Antagonismus). Abgestimmte Linien finden Sie in unserer Dünger-Kategorie.
Symptome richtig lesen
Wo ein Symptom auftritt, verrät viel über die Ursache.
Untere, ältere Blätter betroffen
Das deutet auf einen mobilen Nährstoff hin — die Pflanze verlagert ihn nach oben zu den jungen Trieben.
Gleichmäßiges Vergilben von unten: Stickstoffmangel
Grüne Adern, gelbe Fläche dazwischen: Magnesiummangel
Braune, verbrannte Blattränder: eher Überdüngung oder ein Kaliumproblem
Obere, junge Blätter betroffen
Hier steckt meist ein immobiler Nährstoff oder ein pH-Problem dahinter.
Junge Blätter hell oder gelb mit grünen Adern: Eisenmangel, meist durch einen zu hohen pH-Wert
Verkrüppelte neue Triebe: Calciummangel
Die gesamte Pflanze betroffen
Fast immer ein pH- oder Wurzelproblem, selten ein einzelner Nährstoff.
Die entscheidende Regel: Prüfen Sie immer zuerst den pH-Wert, bevor Sie düngen. In vielleicht der Hälfte aller Fälle löst sich das vermeintliche Mangelsymptom von selbst, sobald der pH-Wert wieder stimmt.
Spülen: wann und warum
Zwischendurch spülen ist sinnvoll, wenn sich Salze angesammelt haben — erkennbar an weißen Ablagerungen auf dem Substrat oder wenn der EC des Ablaufwassers deutlich über dem der Gießlösung liegt. Gießen Sie dann mit dem drei- bis vierfachen Topfvolumen an pH-korrigiertem Wasser ohne Dünger.
Am Ende des Zyklus spülen die meisten Grower die letzten ein bis zwei Wochen mit reinem Wasser, damit die Pflanze eingelagerte Nährsalze aufbraucht. Die Wirkung auf das Endprodukt wird kontrovers diskutiert; schaden tut es bei korrekter Durchführung nicht.
Die Kurzfassung
pH zuerst. Erde 6,0–6,8, Kokos 5,5–6,2, Hydro 5,5–6,0. Immer nach dem Düngen messen.
EC im Blick. Ausgangswasser mitrechnen, mit 50–70 % der Herstellerdosis starten.
Weniger ist mehr. Unterdüngung ist in Tagen behoben, Überdüngung in Wochen.
Eine Linie. Basisdünger und Zusätze desselben Herstellers verwenden.
Geräte kalibrieren. Monatlich, mit Eichlösung.
Wer diese fünf Punkte beherrscht, hat den größten Teil der Pflanzenernährung im Griff.
Abgestimmte Düngerlinien und Messtechnik finden Sie unter Dünger und Alle Produkte. Bei Fragen zur Dosierung in Ihrem Aufbau melden Sie sich über Kundenservice & Kontakt.




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